Ein Manifest in 27 Akten
ZUMUTBAR ist kein Album, das gefallen will.
Es ist ein Album, das stehen bleibt, wenn andere längst weiterlaufen.
Es ist der Moment, in dem man merkt, dass alles gesagt wurde –
und trotzdem noch etwas im Körper steckt, das nicht rauswill.
Wie ein Splitter.
Nicht groß.
Nicht dramatisch.
Aber wandernd.
Und immer spürbar.
Dieses Album beginnt dort, wo man aufhört, sich selbst zu belügen.
Der Rahmen
Die Marionette hat nichts mehr zu beweisen.
Sie steht nicht mehr unter Verdacht, sich erklären zu müssen.
Sie spricht, weil Schweigen zu bequem geworden ist.
ZUMUTBAR ist der Abgesang auf das Weglächeln.
Auf das Durchhalten.
Auf das „passt schon“.
Es ist ein Album für Menschen, die merken,
dass Anpassung nicht automatisch Reife bedeutet
und Rücksicht nicht immer Anstand ist.
Der Weg durch die 27 Tracks
1–5: Die erste Konfrontation
Geh’ ruhig, Bessere Menschen, Ich funktioniere gut, Verfügbar, Immer das letzte Wort
Das Album öffnet nicht sanft.
Es tritt die Tür ein.
Hier geht es um moralische Überlegenheit,
um Leistungsstolz, um das stille Einfordern von Dankbarkeit
für Dinge, die nie freiwillig waren.
„Ich funktioniere gut“ ist kein Lob.
Es ist eine Diagnose.
Diese ersten Stücke halten dem Hörer einen Spiegel hin,
ohne ihn zu fragen, ob er bereit ist hineinzusehen.
6–10: Das Ungesagte
Nicht gesagt, Entschuldigung (für Nichts), Lauwarm (Warmduscher), Ein gewisses Maß, Spiegelverkehrt
Hier wird es leiser – aber nicht milder.
Das sind Songs über Bequemlichkeit als Lebenshaltung.
Über Worte, die man nicht ausspricht,
weil man sonst etwas riskieren müsste.
„Entschuldigung (für Nichts)“ ist kein Friedensangebot.
Es ist das Eingeständnis,
dass viele Entschuldigungen nur dazu dienen,
schnell wieder Ruhe zu haben.
11–14: Der Alltag als Reibung
Kurz vor knapp, Alles da (Augen zu), Bahnsteig ohne Namen, Gebunden
Diese Songs sind körperlich.
Man spürt sie im Nacken, in den Schultern, im Bauch.
Der Bahnsteig ohne Namen ist nicht nur ein Ort,
sondern ein Zustand:
Warten ohne Aussicht,
verpasst ohne Schuld,
allein ohne Drama.
„Gebunden“ ist kein Liebeslied.
Es ist ein Vertrag, den man nie gelesen hat
und trotzdem jeden Tag erfüllt.
15–18: Rückblick ohne Sentimentalität
Post aus der Zukunft, Zu spät gemerkt, Unter Beobachtung, Mit Tinte geschrieben
Hier wird es existenziell.
Nicht laut – sondern präzise.
„Post aus der Zukunft“ ist kein Trost.
Es ist eine Erinnerung daran,
dass man vieles schon früher wusste
und trotzdem weitergemacht hat.
„Mit Tinte geschrieben“ ist einer der zärtlichsten Songs des Albums,
ohne jemals weich zu werden:
Liebe, die nicht schreit.
Nähe, die bleibt.
Worte, die nicht gelöscht werden.
19–22: Der gesellschaftliche Druck
Abgeregelt, Schichten, Alle schon ganz oben, Routine
Hier kommt der Zorn.
Nicht brüllend, sondern kontrolliert.
Über Prollos mit Statussymbolen.
Über Selbstoptimierer mit leerem Blick.
Über das ewige „wir haben es geschafft“,
während andere nicht einmal gefragt wurden.
„Abgeregelt“ ist eine Abrechnung mit künstlicher Begrenzung.
Nicht nur technisch – menschlich.
23–27: Der Abschluss
Vor dem ersten Gedanken, Wenn es Leide wird, Klopfen, Am nächsten Morgen, Zwischen zwei Terminen
Das Ende dieses Albums ist kein Knall.
Es ist ein Nachhall.
„Vor dem ersten Gedanken“ ist der Moment
zwischen Schlaf und Erwachen,
in dem alles noch möglich wäre –
wenn man es zuließe.
„Klopfen“ ist kein Geräusch.
Es ist die Summe aller Dinge,
die man zu lange ignoriert hat.
Und „Zwischen zwei Terminen“
ist der brutal ehrliche Schlusspunkt:
Das Leben passiert nicht im Kalender.
Es passiert dazwischen.
Was ZUMUTBAR ist – und was nicht
ZUMUTBAR ist:
- ehrlich
- unbequem
- ruhig brutal
- verletzlich ohne Mitleid
- reflektiert ohne Erklärung
ZUMUTBAR ist unzumutbar
für Menschen, die lieber mitschwimmen,
lieber relativieren,
lieber sagen: So ist es halt.
Dieses Album ist kein Zeitgeist.
Es ist ein Gegenkörper.
Schluss
Die Marionette steht am Ende des Jahres da,
nicht erlöst,
nicht zerbrochen,
sondern bewusst.
Alles gesagt.
Alles erlebt.
Nichts bereut.
ZUMUTBAR ist kein Abschied.
Es ist ein Standpunkt.

Dieses Cover ist kein Bild, das erklärt – es stellt aus. Wir sehen Tommy als Marionette, von hinten, sitzend auf dem Bühnenboden. Der Rücken ist dem Betrachter zugewandt. Kein Gesicht. Keine Rechtfertigung. Keine Einladung zur Empathie. Nur Körper, Material, Haltung. Die Fäden sind sichtbar, aber sie ziehen nicht. Sie hängen von oben herab, locker, selbstverständlich – nicht als Drohung, sondern als Tatsache. Kontrolle ist hier kein Akt mehr, sondern ein Dauerzustand. Das Licht kommt hart und konzentriert von oben. Ein enger Spot, der die Marionette isoliert, während die Bühne im Dunkel versinkt. Alles außerhalb dieses Lichtkegels existiert nicht mehr – oder ist nicht mehr relevant. Das ist keine Inszenierung für ein Publikum, sondern eine Begutachtung. Die Holzstruktur des Körpers ist warm, abgenutzt, ehrlich. Man erkennt Gebrauchsspuren, Kanten, Abrieb. Das ist keine neue Figur, kein Symbol aus dem Baukasten – das ist etwas, das getragen, benutzt und durchgehalten hat. Die schwarze Cap wirkt wie ein letzter Rest von Identität. Kein Statement, kein Stilmittel – eher ein persönliches Detail, das geblieben ist, obwohl alles andere reduziert wurde. Die Sitzhaltung ist entscheidend: Die Marionette liegt nicht, sie steht nicht, sie hängt nicht. Sie sitzt. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es im Moment nichts anderes gibt. Die Hände stützen den Körper ab, nicht zum Aufstehen, sondern um nicht zu kippen. Dass wir den Rücken sehen, ist kein Zufall. Es ist eine Verweigerung. Dieses Werk schaut uns nicht an – wir schauen auf etwas, das bereits alles gesehen hat. Im Kontext von ZUMUTBAR wird dieses Cover zu einer visuellen Zusammenfassung des Albums: Ein Zustand zwischen Funktionieren und Bewusstsein. Zwischen Fremdsteuerung und Eigenverantwortung. Zwischen Akzeptanz und innerem Widerstand. Tommy als Marionette zeigt hier keine Ohnmacht. Er zeigt Standhaftigkeit im Stillstand. Kein Drama. Kein Ausbruch. Nur die unausgesprochene Frage, die bleibt: Wie lange ist das noch zumutbar?
ZUMUTBAR – Track-by-Track
1. Geh’ ruhig
Ein Abstoß. Kein Abschied.
Der Song setzt den Ton: Wer gehen will, darf gehen. Nicht aus Trotz, sondern aus Klarheit.
Hier wird erstmals die Grenze gezogen zwischen Nähe und Selbstschutz.
Keine Bitte, kein Festhalten – nur das Akzeptieren von Konsequenzen.
2. Bessere Menschen
Eine präzise Demontage moralischer Überlegenheit.
Der Song zeigt, wie schnell Haltung zur Pose wird und Empathie zur Waffe.
Nicht laut, nicht wütend – sondern sezierend.
Wer sich für besser hält, hört hier unangenehm genau zu.
3. Ich funktioniere gut
Ironie ohne Lächeln.
Ein Zustand, der gesellschaftlich belohnt wird, aber innerlich leer bleibt.
Der Song beschreibt Effizienz als Ersatz für Sinn – und warum das auf Dauer nicht trägt.
4. Verfügbar
Ein Lied über Erreichbarkeit als Verpflichtung.
Immer da sein, ohne wirklich gemeint zu sein.
Hier wird Nähe zur Dienstleistung und Beziehung zur Erwartungshaltung.
5. Immer das letzte Wort
Stolz als Saboteur.
Der Song zeigt, wie Recht haben wichtiger wird als Verstehen –
und wie viel dabei leise kaputtgeht, ohne dass es jemand bemerkt.
6. Nicht gesagt
Alles, was man verschweigt, um es einfacher zu haben.
Nicht aus Feigheit, sondern aus Bequemlichkeit.
Der Song lebt von Lücken, Pausen und dem Gewicht des Ungesagten.
7. Entschuldigung (für Nichts)
Eine Abrechnung mit leeren Entschuldigungen.
Worte, die nur benutzt werden, um Ruhe herzustellen – nicht um Verantwortung zu übernehmen.
Der Titel entlarvt, ohne anzugreifen.
8. Lauwarm (Warmduscher)
Gesellschaftlicher Komfort als Lebensziel.
Der Song verspottet nicht, er beobachtet.
Es geht um das Vermeiden von Reibung – und den Preis dafür.
9. Ein gewisses Maß
Grenzen.
Nicht als Schutzschild, sondern als Selbstdefinition.
Der Song fragt, wie viel Anpassung gesund ist – und ab wann man sich selbst verliert.
10. Spiegelverkehrt
Selbstbild und Fremdwahrnehmung geraten aus dem Gleichgewicht.
Was man glaubt zu sein, trifft auf das, was ankommt.
Ein Song über Verzerrung, Projektion und Missverständnis.
11. Kurz vor knapp
Dauerstress als Normalzustand.
Alles immer gerade noch ausreichend.
Der Song macht spürbar, wie Erschöpfung entsteht, ohne dass etwas „Schlimmes“ passiert.
12. Alles da (Augen zu)
Ein paradoxes Stück.
Alles ist vorhanden – und trotzdem fehlt etwas Entscheidendes.
Der Song beschreibt das Wegsehen als Überlebensstrategie.
13. Bahnsteig ohne Namen
Warten ohne Ziel.
Alleinsein ohne Drama.
Ein sehr körperlicher Song über Stillstand, Verpassen und das Gefühl, nicht eingeplant zu sein.
14. Gebunden
Nicht romantisch, sondern nüchtern.
Bindung als Verpflichtung, nicht als Wahl.
Der Song stellt die Frage, wann Nähe trägt – und wann sie einschränkt.
15. Post aus der Zukunft
Ein rückblickender Monolog.
Kein Trost, keine Warnung – nur Feststellung.
Der Song macht klar: Vieles wusste man früher schon.
16. Zu spät gemerkt
Kein Selbstvorwurf, sondern Einsicht.
Erkenntnisse kommen nicht immer rechtzeitig – und das ist menschlich.
Der Song bleibt ruhig, fast sachlich.
17. Unter Beobachtung
Gesellschaftlicher Druck in permanenter Form.
Bewertet werden, ohne gefragt zu sein.
Ein Song über Anpassung, Sichtbarkeit und innere Wachsamkeit.
18. Mit Tinte geschrieben
Einer der intimsten Momente des Albums.
Worte, die bleiben.
Beziehung ohne Lautstärke, Nähe ohne Inszenierung.
19. Abgeregelt
Künstliche Begrenzung – technisch wie menschlich.
Leistung, Status, Besitz werden gedeckelt, während Ungleichheit bleibt.
Der Song ist ruhig, aber klar positioniert.
20. Schichten
Mehrdeutig.
Arbeit, soziale Ebenen, emotionale Ablagerungen.
Ein Song über das Übereinanderlegen von Rollen – bis nichts Eigenes mehr sichtbar ist.
21. Alle schon ganz oben
Ironischer Blick auf Selbstüberschätzung.
Alle erfolgreich, alle besonders – zumindest gefühlt.
Der Song entlarvt kollektive Selbsttäuschung.
22. Routine
Sicherheit als Käfig.
Abläufe ersetzen Entscheidungen.
Der Song zeigt, wie Gewohnheit Halt gibt – und gleichzeitig lähmt.
23. Vor dem ersten Gedanken
Ein Übergangszustand.
Zwischen Schlaf und Bewusstsein, bevor die Welt einsetzt.
Ein sehr stiller, fast schwebender Track.
24. Wenn es Leide wird
Ein Bruch.
Hier kippt etwas.
Der Song thematisiert den Moment, in dem Belastung nicht mehr erklärbar ist, sondern spürbar schmerzt.
25. Klopfen
Kein Geräusch, sondern ein Drängen.
Probleme, die sich melden, egal wie sehr man sie ignoriert.
Der Song baut Spannung ohne Auflösung.
26. Am nächsten Morgen
Nüchterne Bestandsaufnahme.
Kein Neuanfang, kein Reset – nur Weitergehen mit dem, was geblieben ist.
27. Zwischen zwei Terminen
Der Schlusspunkt.
Das Leben passiert nicht im Kalender, sondern in den Zwischenräumen.
Ein leiser, sehr klarer Abschied ohne Pathos.
