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By versvs 13. Februar 2026 In Music

Desaster 5

VÖ: 13.02.2026 – Freitag, der 13.

20 Tracks


DESASTER 5 setzt nicht neu an.

Es geht einfach weiter – aber anders.

Die Stücke sind dichter, direkter und näher an der Sprache, die man wirklich benutzt, wenn niemand zuhört. Keine Umwege mehr über Bilder oder Konstrukte. Die Zeilen stehen länger im Raum, ziehen sich, lassen keine Lücken, in die man ausweichen kann. Vieles wirkt beiläufig gesprochen und bleibt gerade deshalb hängen.

Dieses Album lebt von Kontrasten, die nicht aufgelöst werden.

Am Anfang steht mit „Lieber Anonym“ ein Ton, der Abstand schafft, ohne sich zu verstecken. Kein Angriff, kein Rückzug – eher ein Schreiben ins Leere, das trotzdem ankommt. „Auf Jeden“ zieht diese Linie weiter, wirkt entschlossen, aber nie sicher. „Unbesiegbar“ spielt mit genau dieser Selbstwahrnehmung und lässt sie kippen, ohne es auszusprechen.

Mit „Absturz (ins Nichts)“ wird klar, dass hier nichts abgefangen wird. Der Fall wird nicht dramatisiert, sondern durchgezogen. Direkt danach verschiebt „Dragqueen“ die Perspektive komplett. Rollen, Oberflächen, Identität – nichts bleibt fest, alles kann gewechselt werden, solange man es durchzieht.

„Kalter Entzug“ bringt den körperlichen Teil ins Spiel. Keine große Inszenierung, sondern ein klares Durchhalten. „Zucker“ wirkt im Vergleich fast harmlos, bis sich zeigt, wie schnell das kippt. Kurz angenehm, dann leer.

In der Mitte des Albums häufen sich diese alltäglichen Situationen, die jeder kennt und trotzdem selten ausspricht. „Bin verwundert“ klingt wie ein Nebensatz, trägt aber mehr Gewicht, als es zunächst wirkt. „Ein Bier geht noch“ ist kein Feiern, sondern Verschieben. Grenzen werden nicht überschritten, sie werden einfach immer weiter nach hinten gelegt. „Ohne Moos (nix los)“ bringt eine Realität rein, die keiner schönreden kann.

„Mauerfall“ verzichtet komplett auf Symbolik und funktioniert genau deshalb. Dinge fallen, ohne dass jemand sie aufhält. „…in meinem Kamm“ bleibt bewusst schief, fast irritierend, und genau darin liegt seine Stärke.

Mit „Keine Post“ entsteht ein Moment, in dem nichts mehr zurückkommt. Kein Echo, kein Zeichen. „Eitler Fatzke“ bricht das sofort wieder auf und legt offen, wie schnell sich alles wieder auf Personen richtet, auf Bilder, auf Außenwirkung.

„Glühwürmchen“ wirkt zunächst wie ein Ruhepunkt, ist aber keiner. Es ist eher dieses kurze Aufleuchten, das man kaum greifen kann, bevor es wieder verschwindet.

Im letzten Drittel wird es klarer und gleichzeitig schwerer greifbar. „Fleischlos“ nimmt alles zurück, was vorher aufgebaut wurde. „v e r r ü c k t“ verschiebt Wahrnehmung und Rhythmus, ohne dass man genau sagen kann, wo es passiert. „Reine Ironie“ macht deutlich, wie oft Dinge gesagt werden, ohne wirklich gemeint zu sein.

„Schalt ma’ zurück“ wirkt wie ein Versuch, Kontrolle zurückzuholen, bleibt aber genau das: ein Versuch. „Miese Schlange“ lässt das Album nicht sauber enden. Es bleibt etwas hängen, das sich nicht auflöst.


Es zeigt Situationen, Gedanken, Brüche – ohne sie zu ordnen.

Die Stücke stehen nebeneinander, greifen ineinander, lösen sich wieder.

Mal direkt, mal widersprüchlich, oft gleichzeitig.


Das Cover unterstützt genau diesen Eindruck.

Ein enges Schwarz-Weiß-Bild, nah dran, ohne Distanz. Die Zigarette zwischen den Fingern wirkt nicht wie ein Accessoire, sondern wie ein Teil des Moments. Der Blick ist nicht gestellt, eher beobachtend, fast müde, aber wach genug, um alles wahrzunehmen. Die Haut ist sichtbar, ungeschönt, jede Struktur bleibt erhalten.

Das Rot zieht sich quer über das Bild und übernimmt die Fläche. Kein dekoratives Element, sondern ein klarer Eingriff. Es überlagert, ohne zu verstecken.


DESASTER 5 funktioniert nicht über große Aussagen.

Es funktioniert über Details, die sich festsetzen.

Und genau deshalb bleibt es länger, als es zunächst wirkt.