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By versvs 17. Januar 2026 In Music

ANSCHLAG

Ich dachte, nach Rest würde Stille kommen.

Nicht als Pause, eher als Zustand.

Die Fäden lagen noch da, lose, aber sichtbar. Ich hatte gelernt, sie nicht mehr automatisch zu spüren. Und genau in diesem Moment kam etwas zurück, das sich verdächtig vertraut anfühlte – nur ohne Bühne, ohne Holz, ohne Hände über mir.

Die Krähe steht da, wo ich früher hing.

Sie hängt nicht. Sie wartet nicht.

Sie steht. Schwer. Wach.

Nicht als Zeichen, nicht als Omen. Eher als Körper. Als Gewicht.

Viele sehen Schwarz und denken an Dunkelheit.

Ich sehe Konzentration.

Etwas, das sich nicht erklärt, weil es nicht muss.

Anschlag fühlt sich an wie ein Rückfall – aber keiner nach hinten.

Die Stimme ist dieselbe, ja.

Diese langen Atemzüge, dieses Sprechen im Takt, das sich weigert, schnell zu sein.

Aber der Grund hat sich verschoben.

Früher sprach ich, weil ich musste.

Jetzt spreche ich, weil es still wird, wenn ich es nicht tue.

Die Texte sind länger geworden, nicht weil mehr gesagt werden soll, sondern weil weniger ausgelassen wird. Keine Abkürzungen mehr. Kein höfliches Verstummen. Wenn ein Gedanke losläuft, darf er rennen, stolpern, sich wieder fangen. Niemand zieht ihn zurück.

Der Bass macht keinen Raum auf – er drückt ihn zusammen.

Er ist nicht mehr Fundament, sondern Druck.

Man hört ihn nicht nur, man merkt, wie er ansetzt, bevor er kommt. Wie ein Impuls im Körper, kurz bevor etwas kippt.

Schallwellen, die nicht tragen, sondern treiben.

„Wenn ich mich höre“ ist kein Rückzug.

Es ist der erste Moment ohne Publikum.

Nicht leise, sondern ungestört.

Die Marionette hört sich selbst – und merkt, dass da nichts gezogen wird. Die Ruhe kommt nicht von außen. Sie entsteht, weil nichts mehr reinruft.

„Auf Anschlag“ ist kein Ausbruch.

Es ist der Versuch, sich nicht zu verlieren, während alles gleichzeitig spricht.

Die Kopfhörer sind kein Schutz, sie sind eine Grenze.

Zu laut, um noch erreichbar zu sein.

Zu laut, um sich zu verstecken.

Die Krähe auf dem Instrument ist kein Stilbruch, weil sie anders sein will.

Sie passt nicht, weil sie nicht dazugehören möchte.

Sie setzt sich genau dorthin, wo sonst Hände sind.

Wo Tasten gedrückt werden.

Wo Kontrolle stattfindet.

Und plötzlich ist klar:

Die Marionette ist nicht verschwunden.

Sie steht nur nicht mehr im Zentrum.

Sie beobachtet, wie etwas Neues denselben Ton trifft – mit anderer Haltung.

Anschlag ist kein Abschied von dem, was war.

Es ist das Weitergehen ohne Rechtfertigung.

Mit derselben Stimme.

Aber ohne Fäden.

Das Cover von „Anschlag“ wirkt auf den ersten Blick ruhig – und genau darin liegt seine Unruhe. Die Krähe steht frontal auf dem Musikinstrument. Nicht im Flug, nicht im Abheben begriffen, nicht als romantisches Symbol. Sie steht. Das Gewicht liegt sichtbar auf den Krallen. Jede Feder wirkt gespannt, nicht aufgeplustert, nicht aggressiv. Eher gesammelt. Als hätte sie sich entschieden, genau hier zu bleiben. Der Synthesizer unter ihr ist kein Dekor. Er ist Fläche, Untergrund, Werkzeug. Dort, wo normalerweise Hände greifen, Tasten auslösen, Kontrolle ausgeübt wird, steht jetzt ein Lebewesen. Die Rollen sind vertauscht: Das Instrument schweigt, die Krähe spricht – ohne Laut. Sie beobachtet, nicht das Publikum, sondern den Moment davor. Den Augenblick, bevor etwas ausgelöst wird. Die Farbgebung in Violett und Pink wirkt künstlich, fast studiohaft. Kein natürliches Licht, kein Außenraum. Es ist ein Innenzustand. Ein Raum aus Spannung, wie ihn auch die Texte beschreiben: Gedanken unter Neon, Stimmen im Kopf, Sirenen im Bass. Die Farbe nimmt dem Schwarz der Krähe die eindeutige Zuordnung zu Dunkelheit oder Gothic. Sie wird nicht düster inszeniert, sondern isoliert. Herausgelöst aus jeder Szene, die man ihr zuschreiben möchte. In den Texten von Anschlag wird ständig gehört, gezählt, verfolgt, gedrängt. Gedanken laufen im Kreis, Stimmen reden dazwischen, Erinnerungen tauchen in Pausen auf. Genau das tut auch die Krähe. Sie ist kein Bote, kein Omen, kein Verweis auf Tod oder Mystik. Sie ist Wachsamkeit. Konzentration. Ein Körper, der alles registriert und nichts kommentiert. Wenn in „Wenn ich mich höre“ die Ruhe erst entsteht, als die eigene Stimme die anderen überlagert, dann ist die Krähe genau dieser Zustand: aufmerksam, aber nicht reaktiv. Präsenz ohne Aktion. Wenn in „Auf Anschlag“ die Kopfhörer zur Grenze werden, dann steht die Krähe genau auf dieser Grenze – zwischen Klang und Stille, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Das Cover passt nicht zur Marionette – und will es auch nicht. Keine Fäden. Keine Bühne. Kein Blick nach oben. Die Marionette hing. Die Krähe steht. Sie ist kein Neuanfang im lauten Sinn. Sie markiert einen Punkt, an dem nichts mehr gezogen wird, aber alles unter Spannung steht. Ein Moment kurz vor dem Auslösen. Kurz vor dem nächsten Takt. Kurz bevor etwas kippt. „Anschlag“ ist genau dieser Zustand – und das Cover hält ihn fest, ohne ihn aufzulösen.

Das Cover von „Anschlag“ wirkt auf den ersten Blick ruhig – und genau darin liegt seine Unruhe.


Die Krähe steht frontal auf dem Musikinstrument. Nicht im Flug, nicht im Abheben begriffen, nicht als romantisches Symbol. Sie steht. Das Gewicht liegt sichtbar auf den Krallen. Jede Feder wirkt gespannt, nicht aufgeplustert, nicht aggressiv. Eher gesammelt. Als hätte sie sich entschieden, genau hier zu bleiben.


Der Synthesizer unter ihr ist kein Dekor. Er ist Fläche, Untergrund, Werkzeug. Dort, wo normalerweise Hände greifen, Tasten auslösen, Kontrolle ausgeübt wird, steht jetzt ein Lebewesen. Die Rollen sind vertauscht: Das Instrument schweigt, die Krähe spricht – ohne Laut. Sie beobachtet, nicht das Publikum, sondern den Moment davor. Den Augenblick, bevor etwas ausgelöst wird.


Die Farbgebung in Violett und Pink wirkt künstlich, fast studiohaft. Kein natürliches Licht, kein Außenraum. Es ist ein Innenzustand. Ein Raum aus Spannung, wie ihn auch die Texte beschreiben: Gedanken unter Neon, Stimmen im Kopf, Sirenen im Bass. Die Farbe nimmt dem Schwarz der Krähe die eindeutige Zuordnung zu Dunkelheit oder Gothic. Sie wird nicht düster inszeniert, sondern isoliert. Herausgelöst aus jeder Szene, die man ihr zuschreiben möchte.


In den Texten von Anschlag wird ständig gehört, gezählt, verfolgt, gedrängt. Gedanken laufen im Kreis, Stimmen reden dazwischen, Erinnerungen tauchen in Pausen auf. Genau das tut auch die Krähe. Sie ist kein Bote, kein Omen, kein Verweis auf Tod oder Mystik. Sie ist Wachsamkeit. Konzentration. Ein Körper, der alles registriert und nichts kommentiert.


Wenn in „Wenn ich mich höre“ die Ruhe erst entsteht, als die eigene Stimme die anderen überlagert, dann ist die Krähe genau dieser Zustand: aufmerksam, aber nicht reaktiv. Präsenz ohne Aktion.
Wenn in „Auf Anschlag“ die Kopfhörer zur Grenze werden, dann steht die Krähe genau auf dieser Grenze – zwischen Klang und Stille, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.


Das Cover passt nicht zur Marionette – und will es auch nicht.
Keine Fäden. Keine Bühne. Kein Blick nach oben.
Die Marionette hing.
Die Krähe steht.


Sie ist kein Neuanfang im lauten Sinn. Sie markiert einen Punkt, an dem nichts mehr gezogen wird, aber alles unter Spannung steht. Ein Moment kurz vor dem Auslösen. Kurz vor dem nächsten Takt. Kurz bevor etwas kippt.


„Anschlag“ ist genau dieser Zustand – und das Cover hält ihn fest, ohne ihn aufzulösen.

Anschlag

VÖ 17.01.2026 · Lyrics (links) · Interpretation/Beschreibung (rechts)

01 Schnauze voll

Songtext

Alles sortiert in den Schubladen
Deine Stimme
Meine Schuld
Jede Frage
Du zählst die Fehler wie Zähne im Glas
Lächelst so sauber
Doch etwas frisst an dir

Blicke kleben an meiner Haut
Deine Worte wie Draht
Kalt und laut
Du sagst: "Schon wieder?" und kaust auf dem Satz
Bis er bricht
Bis er beißt
Bis er mich ersetzt

Ich spür dein Misstrauen im Nacken
Wie kalter Atem
Kurz vor dem Packen
Du drehst an mir
Als wär ich ein Schloss
Fragst nach Beweisen
Doch innen ist Schloss an Schloss

Du jagst Gesichter in meinen Kontakten
Liest jede Zeile wie Spuren im Schlamm
Wartest auf ein Zittern im Text
Auf ein "Du fehlst mir"
Das dich bestätigt

Ich hab die Schnauze voll
Von deinem Jägerblick
Du schnupperst an jedem Wort
Als wär's Gift
Das dich kriegt
Ich hab die Schnauze voll
Von deinem Dauerverdacht
Du suchst nach Gespenstern
Bis du mich wirklich verlierst in der Nacht

Du misst die Pausen in meinem Reden
Jede Sekunde ein angebliches Bekenntnis
"Warum so leise? Warum so spät?"
Dein Kalender kennt jede Minute von mir

Deine Fragen stechen wie Nadeln ins Kinn
"Wo warst du? Mit wem? Wozu der Gin?"
Ich trink nur noch Wasser und trotzdem
Schmeck ich den Vorwurf in deinem Blick

Du fährst die Krallen in kleine Geschichten
Verdrehst sie zu Krimis in deinem Kopf
Aus einem Lachen wird altes Verlangen
Aus einem Treffen ein geheimer Plot

Ich wache neben dir
Doch du schläfst nicht
Zählst meine Atemzüge wie Beweise im Licht
Schiebst mir Schatten in jedes Gesicht
Das mir begegnet
Auch wenn da nichts ist

Wie lange noch dieses Rennen
Du vorne
Ich hinter dir her
Oder umgekehrt
Schwer zu erkennen
Wir beide außer Atem
Herz leer

Ich hab die Schnauze voll
Von deinem Jägerblick
Du schnupperst an jedem Wort
Als wär's Gift
Das dich kriegt
Ich hab die Schnauze voll
Von deinem Dauerverdacht
Du suchst nach Gespenstern
Bis du mich wirklich verlierst in der Nacht

Vielleicht willst du mich fangen
Weil du glaubst
Du gehst sonst fort
Vielleicht hältst du mich enger
Weil du nie gehalten wurdest
Damals
An jenem Ort
Doch ich bin kein Beweisstück
Keine Akte in deinem Archiv
Ich bin ein Mensch mit zitternden Händen
Der irgendwann einfach geht – ganz tief

Ich hab die Schnauze voll
Von deinem Jägerblick
Du schnupperst an jedem Wort
Als wär's Gift
Das dich kriegt
Ich hab die Schnauze voll
Hörst du mein Schweigen nicht?
Du jagst mich in deinem Kopf
Bis nur noch Echo von mir übrig ist

Interpretation

Es beginnt geordnet – und genau das ist die Drohung: Ordnung als Kontrolle. Blick, Fragen, Pausen werden zu Beweisen, Nähe zu Überwachung.

Der Song zeigt kein plötzliches Zerbrechen, sondern das langsame Ersetztwerden: Misstrauen als Dauerzustand, in dem jedes Wort “abgetastet” wird.

Der Refrain ist kein Wutausbruch, sondern Erschöpfung mit Klarheit: nicht länger Beweisstück sein, nicht länger Material für Gespensterjagd.

02 Platzen vor Neid

Songtext

Du sagst
Es gönnt sich leicht
Wenn man eh alles hat
Dein Lächeln viel zu glatt
Wie frisch lackiertes Plastik

Ich seh
Wie deine Adern tanzen
Wenn jemand anders glänzt
Dein Blick
Ein stumpfes Messer
Das in jede Freude rennt

Du sagst "ist mir egal"
Doch deine Stimme zittert
Als hätte jemand anders
Deinen Namen auf Gold geschrieben

Deine Hände in den Taschen
Nägel im Fleisch vergraben
Du lachst zu laut
Zu lange
Als müsstest du dich selbst erschlagen

Die Luft wird dick
Fast körnig
Sie kratzt in deinem Hals
Während du dich durchs Gerede bohrst
Wie durch feuchtes Holz

Und jedes leise Kompliment
Das nicht an dich adressiert ist
Prallt an dir nicht einfach ab
Es bohrt sich ein
Es nistet

Du zählst Vergleiche wie Narben
Wiegst sie
Als wären sie wertvoll
Und irgendwo hinter den Zähnen
Gärt ein bitteres Brodeln

Du willst platzen vor Neid
Wie ein viel zu voller Kern
Alles spannt
Alles schreit
Doch du hältst es noch fern

Du willst platzen vor Neid
Und du beißt dich nur fest
Dein Lächeln viel zu breit
Für das
Was du frisst

Du willst platzen vor Neid
Doch du schluckst jedes Wort
Bis du innen drin weißt
Hier ist längst alles fort

Du checkst die Listen heimlich
Wer wo erwähnt
Markiert
Du sagst
Es sei nur Neugier
Doch dein Atem wird sortiert

Kurze
Harte Züge
Als würdest du Luft raffen
Die einem anderen gehört
Seit er sein Ding macht und lacht

Du hörst die Namen fallen
Sie prallen nicht
Sie häufen
Sie bilden in dir Schichten
Aus altem Groll und frischem Giften

Jede Story
Jedes Lachen
Du spulst es wieder
Immer wieder
Zoomst dich in die kleinen Falten
Suchst ein Makel
Findest lieber
Einen Spiegel deiner Wünsche
Und der starrt dich einfach an

Du sagst: "Irgendwann bin ich dran"
Doch "irgendwann" klingt dünn
Wie Papier über kochendem Wasser
Das bald zerreißen muss

Dein Herz schlägt asynchron
Verschluckt zwei Takte
Holt sie nach
Wenn jemand dich im Nebensatz
Als "ganz okay" beschreibt

"Nur okay" bohrt wie ein Bohrer
Langsam
Aber tief
Schraubt sich durch dein Selbstbild
Bis nichts mehr gerade blieb

Du stellst dir vor
Wie es wäre
Den Raum zu leeren mit einem Satz
Doch dir fällt keiner ein
Du kaust nur auf dem Gift

Es brennt im Magen
Kriecht nach oben
Legt sich hinter deine Augen
Sie werden glasig
Viel zu hell
Als könntest du den Druck verwalten

Und während alle weiterreden
Mischst du dein Lächeln unter ihres
Kein Ton verrät
Was in dir tobt
Nur diese kleine Ader
Die immer schneller pulst
Immer schneller
Bis du fast
…

Du willst platzen vor Neid
Wie ein viel zu voller Kern
Alles spannt
Alles schreit
Doch du hältst es noch fern

Du willst platzen vor Neid
Und du beißt dich nur fest
Dein Lächeln viel zu breit
Für das
Was du frisst

Du willst platzen vor Neid
Doch du schluckst jedes Wort
Bis du innen drin weißt
Hier ist längst alles fort

Interpretation

Neid erscheint nicht als Krawall, sondern als Spannung unter Lack: zu langes Lachen, zu glattes Lächeln, Atem in harten Zügen.

Jedes Lob an andere setzt sich fest und schichtet sich. Der Track stoppt kurz vor dem Platzen: Aushalten als Selbstzerlegung.

„Irgendwann“ wird zum dünnen Halteseil – und genau daran reißt es innerlich.

03 Aus den Augen

Songtext

Deine Jacke liegt noch über meinem Stuhl
Riecht nach irgendwas
Zwischen billigem Mut und zu viel Nacht
Du lehnst im Türrahmen
Tust so
Als hättest du alle Zeit der Welt
Dein Blick gräbt sich ein
Wie ein stumpfes Messer in weiche Haut
Jede Frage von dir
Ist ein alter Film
Den ich längst kenne
Du sagst
Ich sei dramatisch
Nur weil ich endlich laut denke
Während du leise jede Grenze biegst
Bis sie reißt
Immer dann
Wenn es dir passt
Ich hör dich atmen
Viel zu nah
Als hättest du ein Recht auf jeden meiner Züge
Auf jedes Zucken in meinem Gesicht
Du sammelst meine Fehler wie Trophäen
Stellst sie in dein eigenes Kopfmuseum
Und nennst es Liebe
Wenn du mich sezierst
Du trägst meine Geschichte wie ein fremdes Hemd
Schleppst sie durch deine Tage
Ziehst sie an
Wenn dir langweilig ist
Und ich hab keine Kraft mehr
Dir noch ein einziges Kapitel zu erklären
Mein Puls hämmert gegen die Rippen
So laut
Dass du ihn fast hörst
Aber du lachst nur leise
Als wär ich eine Pointe in deinem Lieblingswitz

Verpiss dich und geh mir aus den Augen
Ich will dich nicht mehr in meinem Blick
Du hast genug in mir geraubt
Nimm dein Schweigen
Nimm dein Gift und geh
Verpiss dich und geh mir aus den Augen
Dein Name ist mir viel zu schwer
Du warst nie ein sicherer Ort
Nur ein Schatten
Der mir hinterherrennt

Du sagst
Ich übertreibe
Alles halb so wild
Als wäre mein Misstrauen eine Modephase
Als könnte ich's einfach ausziehen
Wenn du's willst
Du kennst jede meiner weichsten Stellen
Weil ich sie dir selbst gezeigt hab
Damals
Als ich dachte
Jemand wie du könnte behutsam sein
Jetzt nutzt du jedes Detail
Wie kleine Nadeln in meinem Alltag
Ein Satz von dir
Und mir wird schwindlig
Du tust verletzt
Wenn ich die Türe zu dir schiebe
Spielst den Unschuldigen
Den armen Hund
Der nur ein bisschen Nähe wollte
Doch deine Nähe frisst mich auf
Ich spür dich in den Nachrichten
Die du nicht schickst
In den Anrufen
Die du dir verkneifst
Nur um dann plötzlich aufzutauchen
Mit diesem müden Lächeln
Das immer erstarrt
Wenn ich nicht lache
Du stellst mir diese Fragen
Die nie wirklich Fragen sind
Sondern Fallen aus Erinnerungen
In denen nur ich schlecht ausseh
Deine Hände zucken
Dein Kiefer mahlt
Du hältst dich für gefährlich
Für tief
Doch alles
Was ich seh
Ist ein Junge im Körper eines Mannes
Der gelernt hat
Dass Lautsein gewinnt
Und leise Schuld in die andere Ecke schiebt
Ich spür
Wie du gleich wieder ausweichen willst
Wie du gleich wieder sagst
Dass ich ja gehen kann
Wenn's so schlimm ist
Während du im Türrahmen bleibst
Breit und langsam
Damit mir klar wird
Was du wirklich meinst

Verpiss dich und geh mir aus den Augen
Ich will dich nicht mehr in meinem Blick
Du hast genug in mir geraubt
Nimm dein Schweigen
Nimm dein Gift und geh
Verpiss dich und geh mir aus den Augen
Dein Name ist mir viel zu schwer
Du warst nie ein sicherer Ort
Nur ein Schatten
Der mir hinterherrennt

Ich schulde dir kein schönes Ende
Keinen Frieden
Den du zitieren kannst
Wenn du anderen von mir erzählst
Kein sauberes Fazit
Das dich reinwäscht
Ich schulde dir gar nichts
Keinen letzten Kuss
Kein Händedrücken
Keinen Kaffee zum Abschied
Kein Lächeln
Das dich entlässt
Du kriegst genau das
Was du mir gelassen hast

Interpretation

Türrahmen, Atem, Blick: Nähe wird zu Besitzanspruch. Fragen sind Fallen, Erinnerungen werden als Munition benutzt.

Der Refrain ist Grenzziehung ohne Verhandlung. Der Song verweigert ein „schönes Ende“ – kein Frieden zur Weitergabe, keine Reinwaschung.

04 Zeitschinder

Songtext

Du sagst
Ich wär verbittert
Zu viel Gift im Gesicht
Alte Sätze in den Zähnen
Und du kaust sie mit mir mit

Du bleibst höflich
Wenn du stichst
Als wär Höflichkeit ein Schild
Du erzählst mir deine Träume
Nur damit mein Mund sich füllt

Ich hör deine halben Wahrheiten tropfen
Wie ein Leck in der Decke
Nachts
Du nennst es nur »Fehler im Timing
Ich seh
Wie du leise lachst

Und dann dieses Lächeln
Zu glatt
Zu schnell
Zu blind
Du sagst
Du brauchst nur ein bisschen
Ich merk
Wie ich langsamer bin

Du bist klug im Verlängern
Meister im Noch-ein-Mal-mehr
Du verteilst deine Pausen wie Fallen
Und sagst
Es wär schwer
So schwer

Dumm
Dass ich deine Karten kenne
Und trotzdem wieder bleib
Dumm
Wie ich dein Schweigen deute
Als wär da irgendetwas reif

Du ziehst die Minuten wie Kaugummi
Zwischen Zähnen
Zwischen uns
Jeder Blick ein kleiner Aufschub
Jede Geste gut geübt

Dumm und Zeit-Schinder
Du rennst nicht
Du dehnst
Machst Stunden zu Splintern
Bis keiner mehr geht

Dumm und Zeit-Schinder
Du lächelst und zählst
Eins
Zwei
Immer länger
Bis mein Widerstand fehlt

Du tust
Als wärst du müde
Von all den halben Gesprächen
Doch dein Gähnen ist Theater
Ein geplanter
Kleiner Frevel

Du spielst träge
Aber zielgenau
Wie ein Jäger
Der nie sprintet
Du lässt alles etwas taumeln
Bis der andre endlich hinkt

Deine Fragen sind wie Knoten
Sie lösen sich nie ganz
Immer ein »später
Vielleicht
Immer ein »ich weiß noch nicht« am Rand

Du schiebst Versprechen nach hinten
Wie schmutziges Geschirr
So lange
Bis keiner mehr fragt
Ob du es überhaupt noch spürst

Ich seh dir zu
Wie du wartest
Auf den Punkt
Der nie kommt
Wie du jede klare Kante
Mit Geschichten übertönst

Du sagst
Ich wär verbittert
Weil ich Zahlen im Blick hab
Wie oft du schon fast entschieden
Wie oft du dich weichgeredet hast

Und ja
Ich halt dir die Uhr hin
Seh Sand in deinem Hals
Hör
Wie du wieder verzögerst
Obwohl du längst alles weißt

Du ziehst die Minuten wie Kaugummi
Zwischen Zähnen
Zwischen uns
Jeder Blick ein kleiner Aufschub
Jeder Seufzer gut geübt

Dumm und Zeit-Schinder
Du rennst nicht
Du dehnst
Machst Stunden zu Splintern
Bis keiner mehr geht

Dumm und Zeit-Schinder
Du lächelst und zählst
Eins
Zwei
Immer länger
Bis von mir nichts mehr fehlt (hey)

Interpretation

Kein Angriff – Verzögerung. Höflichkeit wird Tarnung, Pausen werden Fallen. Zeit wird gedehnt, bis Widerstand müde wird.

Der Erzähler erkennt das Muster und bleibt trotzdem: Gewöhnung statt Hoffnung. Verletzung entsteht durch Wartenlassen.

05 Auf Anschlag

Songtext

Meine Kopfhörer sind auf Anschlag
Jedes Rauschen frisst den Rest der Welt
Ich zähle keine Takte
Nur Pulsspitzen in den Schläfen
Fenster ziehen vorbei wie stumme Münder
Autos schmieren zu langen Nervensträngen
Irgendwo hupt jemand
Ich hör nur ferne Sirenen im Synthgebrüll

Dein Name löst sich
Zwischen klickenden Zähnen
Als hätt ich Funken unter der Zunge
Und jeder Gedanke jagt den nächsten
Bis sie alle stolpern
Ein Haufen Stimmen im Tunnel
Die mich schieben
Stoßen
Fordern
Lauter
Immer lauter

Ich seh dein Profil im Spiegel der U-Bahn-Tür
Dann nur noch mich
Verschwommen wie durch Wasser
Mein Herz schreibt Nachrichten in Morse
Gegen meine Rippen
Ein stummer Alarm
Der sich nicht mehr beruhigt

Meine Kopfhörer sind auf Anschlag
(ich blende dich aus, ich such dich zugleich)
Alles dröhnt
Alles drängt
Alles jagt
Kein Atemzug bleibt mir allein
Meine Kopfhörer sind auf Anschlag
Jeder Ton ein sich schließendes Netz
Wenn ich dich fast greif
Reißt es mich weg
Und die Lautstärke frisst den Rest

Ich taste mich durch Straßennamen in deinem Chatverlauf
Seh die Uhrzeit neben jedem blauen Haken
Ein dünnes Protokoll von Mut und Schweigen
Wie du schreibst"bin gleich da"
Und dann stundenlang nichts mehr
Nur das helle Glühen des Displays
Wie ein Auge
Das nicht blinzelt

Das Beatgerüst zerbricht in meinen Ohren
Kleine Pausen reißen Löcher in den Klang
Dazwischen kriechen Erinnerungen
Wie kalter Rauch unter Türen durch
Deine Hand an meiner Schulter
Dein Lachen
Viel zu nah am Mikro
Dein"warte kurz"
Das sich ewig zieht

Ich renne innerlich
Ohne einen Meter Boden zu gewinnen
Dieser Tag ist eine enge Kette
Jeder Moment schnappt in den nächsten
Ich hör dein altes Lieblingslied
Versteckt im Rauschen
Ein Fragment deines Atems im Hall

Und während draußen Menschen reden
Rufen
Lachen
Press ich die Muscheln tiefer an die Ohren
Als könnte ich mich darin vergraben
Bis nur noch der Takt meiner Angst bleibt
Auseinandergerissen
Wieder zusammengesetzt
In kleinen Stößen
Die mich treiben
Treiben

Meine Kopfhörer sind auf Anschlag
(ich blende dich aus, ich such dich zugleich)
Alles dröhnt
Alles drängt
Alles jagt
Kein Atemzug bleibt mir allein
Meine Kopfhörer sind auf Anschlag
Jeder Ton ein sich schließendes Netz
Wenn ich dich fast greif
Reißt es mich weg
Und die Lautstärke frisst den Rest

Interpretation

Übergänge statt Orte: Tunnel, Spiegel, Chatprotokolle. Lautstärke wird Grenze, Rauschen wird Orientierung.

Nähe wird zu Protokoll (Uhrzeiten, Haken). Pausen reißen Löcher, Erinnerungen kriechen hinein. Übrig bleibt Takt der Angst.

06 Jagd im Neonflur

Songtext

Dein Name
Wie ein Fehler im System
Flackert auf
Geht wieder weg

Schritte hinter mir
Zu nah
Zu leise
Wände rücken ein
Kein Platz zum Schreien

Mund voller Luft
Doch sie bleibt stehen
Wörter wie Glas
Ich spür sie nur drehen

Ich renn im Kreis
Doch komm nicht an
Zu müde zum Fallen
Zu leer für Kampf
Deine Schatten fressen meinen Mut
Ich halt die Luft an
Halt die Luft an

Ich renn im Kreis in meinem Kopf
Kein Ausgangsschild
Nur diese Wand
Ich bin so klein in deiner Flut
Ich halt die Luft an
Halt die Luft an

Deine Hand an meiner Kehle
Auch wenn du mich nie berührst
Deine Sätze sind Befehle
Die mein letzter Rest gehorcht

Ich schau auf meine Finger
Seh sie nicht mehr zu mir gehörn
Wie ein Statist im eignen Körper
Ich kann nur zusehn
Mich verliern

Ich renn im Kreis
Doch komm nicht an
Zu müde zum Fallen
Zu leer für Kampf
Deine Schatten fressen meinen Mut
Ich halt die Luft an
Halt die Luft an

Ich renn im Kreis in meinem Kopf
Kein Ausgangsschild
Nur diese Wand
Ich bin so klein in deiner Flut
Ich halt die Luft an
Halt die Luft an

Wenn ich laut wär
Würd ich flüchen (leise)
Doch ich sprech nur in mir drin
Jedes Nein wird leiser
Leiser
Bis ich selbst nicht sicher bin

Interpretation

Klaustrophobie ohne Knall: Neon, Flackern, Schritte. Bedrohung wirkt körperlich, auch ohne Berührung.

Das Nein wird kleiner, Atem wird angehalten. Entfremdung setzt ein: Statist im eigenen Körper.

07 Wiedergeburt im Grau

Songtext

Staub in meinen Haaren
Asche auf der Haut
Straßen wie vernarbt
Und der Himmel ausgebrannt

Dein Name im Beton
Halb verwischt
Halb Gebet
Ich atme rostige Luft
Und spüre
Wie da etwas geht

Ich werd' neu
In diesem Ende
Unter Sirenen
Unter Rauch
Aus den Rissen meiner Hände
Wächst ein leiser
Wilder Traum
Ich werd' neu
Im Fall der Städte
Alles brennt und ich auch
Doch im Flimmern dieser Kälte
Steh ich auf
Steh ich auf

Lichter sind nur Fehler
Kurz da
Dann sofort weg
Schritte hinter Mauern
Jemand folgt mir durch das Heck

Mein Schatten zuckt versetzt
Wie ein fremder zweiter Mann
Doch in meinem hohlen Brustkorb
Geht ein kleiner Motor an

Interpretation

Nach dem Zusammenbruch: Grau als Zustand danach. Nicht Hoffnung, sondern Selbstbewegung startet – „kleiner Motor“ statt Erlösung.

Aufstehen während alles brennt: Haltung entsteht in der Kälte, nicht nach der Kälte.

08 Schamlos

Songtext

Dein Blick in meiner Tür
Halb offen
Atmen prallt an die Tapet'n
Wie Regen
Du sagst
Du willst nur reden
Aber du gehst schon weiter rein
Deine Finger finden Spuren
Die du selbst gelegt hast

Schamlos
Wie du meine Grenzen klaust
Immer noch
Wenn du meinen Namen rauchst
Schamlos
Jeder Schritt ein Überlauf
Du jagst mich durch mein eignes Haus

Dein Lachen bleibt im Flur
Zerschnitten
Du stellst mir jede Frage
Als wär's Zufall
Du kennst doch jede Antwort
Bevor ich irgendwas erklär
Du ziehst an meinem Zweifel
Wie an einem Faden mehr (oh)

Schamlos
Wie du meine Grenzen klaust
Immer noch
Wenn du meinen Namen rauchst
Schamlos
Jeder Schritt ein Überlauf
Du jagst mich durch mein eignes Haus

Du gehst auf Zehenspitzen
Und trittst doch voll in mich rein
Du nennst es nur ein Spiel
Ich nenn es mich entkleid'n
Kein Urteil in dein'm Atem
Nur Anspruch
Nie Verzicht
Du sagst"Ich seh dich ganz"
Und übermalst mein Gesicht

Schamlos
Wie du meine Grenzen klaust
Immer noch
Wenn du meinen Namen rauchst
Schamlos
Bis mir meine Stimme raucht
Und du durchs Flüstern weiterlaufst

Interpretation

Der intimste Raum: Zuhause. Eindringen geschieht mit Selbstverständlichkeit, nicht mit Lautstärke. „Nur reden“ bewegt sich schon weiter.

Scham liegt darin, dass Grenzen ignoriert werden. Haus wird zur Verfolgungsfläche – Stimme raucht vom Flüstern.

09 Wenn ich mich höre

Songtext

Ich laufe Kreise in meinem Kopf
Jag mich selbst durch jeden Takt
Alle reden
Alle reden laut
Ich bin stumm
Bis einer sagt

Da drin steckt doch irgendwas
Irgendwo ein offner Klang
Doch ich hör nur diese Fragen
Keinen Anfang
Keinen Gang

Wenn ich mich hör
In meinen eigenen Zeilen
Dann werd ich ruhig
Kann in mir selber verweilen
Wenn ich mich hör
Und jede Wunde klingt klar
Vielleicht bin ich
Vielleicht bin ich wirklich da

Deine Blicke wie Sirenen
Ziehen mich aus meiner Spur
Renn vor meinem Schatten weg
Atme flach
Such eine Tür

Alle Stimmen jagen hinterher
Fordern eine Melodie
Ich verlauf mich in den Räumen
Doch da vibriert was tief in mir

Wenn ich mich hör
In meinen eigenen Zeilen
Dann werd ich ruhig
Kann in mir selber verweilen
Wenn ich mich hör
Und jede Wunde klingt klar
Dann bin ich frei
Dann bin ich mir endlich nah

Interpretation

Der erste Stillstand im Album: nicht reagieren, sondern zuhören. Eigene Zeilen werden Ort statt Beweis.

Der Lärm bleibt – verliert aber Macht. Wunden klingen klar: nicht geheilt, aber ehrlich.

10 Stopp’ mich

Songtext

Ich red schon wieder leise mit mir
Im Flur
Im Spiegel
Im Displaylicht
Gleiche Dialoge
Anderes Gesicht

Jede Frage fällt zurück auf mich
Wie ein Gummiband
Das niemals reißt
Alles bleibt im Schädel
Alles bleibt im Kreis

Stopp
Mich zu reden
Ich schreib es in ein Lied
Lass andere entscheiden
Ob es sie zerbiegt

Stopp
Mich zu reden
Ich leg's euch auf die Haut
Ihr dürft selber wählen
Ob es euch verbrennt
Verbraucht

Ich mal die Zweifel an jede Wand
Silben wie Kratzer in meinem Bett
Schneid mir die Sätze
Doch sie kommen zurück
Komplett

Wie oft kann man fallen im Kopf
Ohne dass der Körper es merkt
Ich trag euch die Stürze
Wenn ihr sie euch anhört

Interpretation

Unterbrechung nach innen: der innere Dialog wird ausgelagert. Text wird Übergabe – ohne Trost, ohne Führung.

Der Hörer entscheidet selbst, wie nah er kommt: zerbiegen, verbrennen, verschlingen – oder abprallen lassen.

11 Millionen Wörter

Songtext

Dein Blick
Trifft mich mitten im Lauf
Braune Augen
Ruhiger Schlaf
Und ich renn
Doch ich prall nur an dir ab

Jeder Satz
Fällt mir schwer in der Luft
Tausend Seiten
Weißes Papier
Meine Zunge klebt an dir

Million Wörter
Kein Gefühl
Alles staut sich
Bleibt in mir
Wenn ich in deine braunen Augen fall
Wird meine Sprache still
Brutal

Interpretation

Sprache versagt nicht aus Mangel, sondern aus Überfluss. Nähe ist ruhig – und genau deshalb überwältigend.

Der Blick fixiert, ohne zu fordern. Kontrolle bricht nicht spektakulär, sondern leise: Stummheit bei vollem inneren Rauschen.

12 Keiner geht ran

Songtext

Du trägst die Welt
In deiner Hosentasche
Display hell
Doch du bist immer"später
Später"

Dein Name leuchtet
Ich seh dich online
Ich schreib"bist du da?"
Seh nur die grauen Haken

Alle haben'n Handy
Doch keiner geht ran
Jeder immer erreichbar
Aber nie irgendwann
Wir sind ständig am Suchen
Ständig am Fliehn
Alle können sich melden
Doch keiner will's tun

Interpretation

Sichtbarkeit ohne Anwesenheit: Status, Haken, „später“. Verbindung wird simuliert, Verbindlichkeit vermieden.

Mauern aus Glas: man sieht hindurch, kommt aber nicht durch. Ende als Feststellung: senden können – und trotzdem allein sein.

13 Marionette (Teil 1)

Songtext

Ich schreib ein Buch
Seite für Seite
Wie du
Zwischen den Zeilen
Rennt mir die Zeit davon

Ich nenn es"Marionette"
Fäden aus Tinte
Aus Rauch
Zieh an Gefühlen
Bis keiner mehr lügt

Bau mir 'ne Bühne
Aus brennender Luft
Spiel meine Wahrheit
So leise
So roh

Marionette
Ich zieh an mir selbst
Ich lass mich gehen
Mach dir ein Bild von mir
Und sieh
Wie die Masken verdrehen
Mach deinen Traum doch wahr
Oder spiel ihn
Bis du selbst dran glaubst
Marionette
Fake es
Bis du fliegen kannst

Interpretation

Keine Opferfigur, sondern bewusste Konstruktion: Bühne wird gebaut, Fäden werden sichtbar gemacht (Tinte/Rauch).

„Fake es…“ als Methode: Identität entsteht über Spiel, Wiederholung, Mut zur Darstellung – bis etwas Echtes entsteht.

14 Unter deiner Haut

Songtext

Du sagst
Es ist nur Farbe
Ein kleiner Stich
Ein kurzer Rausch
Doch nachts
Wenn alles schläft
Kribbelt es wieder
Kriecht aus dir raus

Dein Spiegel kennt die Zeichen
Er sieht mehr als nur dein Blick
Jede Linie
Jeder Schatten
Zieht dich Stück für Stück zurück

Es ist unter deiner Haut
Tiefer als du denkst
Tiefer als du glaubst
Du kannst es nicht mit Wasser abwasch'n
Egal
Wie fest du reibst
Wie lang du schaust
Es ist unter deiner Haut
Und der nächste Stich ist schon so nah

Interpretation

Körper als Archiv: nichts lässt sich abwaschen. Nicht Moral, sondern Bindung – Entscheidungen bleiben als Linie und Druck.

Die Nadel ruft leise (Schaufenster/Wände), Skizzen liegen bereit: Fortsetzung als Dauer, Jahr für Jahr.

15 Marionette (Teil 2)

Songtext

Schreib ein Buch
Zeile für Zeile
Lüg dir die Wahrheit
Gerade zurecht

Nenn es"Marionette"
Deine Finger
Ziehen Fäden
Durch jede Nacht

Du rennst dir Bilder
In den Kopf
Bis sie echt sind
Oder fast

Mach dir deinen Traum
(zur Wirklichkeit)
Oder fälsch ihn
Bis er passt
Make your dream come true
Oder fake it till you make it
Dein Herz spielt die Rolle
Bis die Rolle dich spielt

Interpretation

Teil 2 ist Spiegel: Wahrheit wird „gerade“ gezogen, Bilder werden so lange wiederholt, bis sie wirken.

Gefahr der Selbststeuerung: Herz spielt Rolle – bis Rolle Herz spielt. Bühne: Gold/Staub, Sichtbarkeit unter Spannung.

16 Geh’ mir aus den Augen (Verpiss’ Dich) (Anschlag Version)

Songtext

Deine Jacke liegt noch über meinem Stuhl
Riecht nach irgendwas
Zwischen billigem Mut und zu viel Nacht
Du lehnst im Türrahmen
Tust so
Als hättest du alle Zeit der Welt
Dein Blick gräbt sich ein
Wie ein stumpfes Messer in weiche Haut
...
Du kriegst genau das
Was du mir gelassen hast

Interpretation

Keine Verhandlung mehr: dieselben Bilder, aber härter gesetzt. Der Song verweigert jedes „saubere Ende“ als Nachnutzung.

„Ich schulde dir gar nichts“: kein Frieden zum Zitieren, kein Fazit zum Reinwaschen – nur Konsequenz.

17 Auf Anschlag (Special Version)

Songtext

(selber Text wie Track 05 – andere Vertonung/Klang)

Interpretation

Kein zweiter Versuch, sondern Nachhall: gleicher Zustand, andere Entfernung. Außenwelt wird Fläche, Rauschen dichter, Pausen deutlicher.

Finale ohne Schnitt: Hochspannung klingt aus, nicht als Lösung, sondern als ehrlicher Dauerzustand.